St. Gallus Hofweier

 
Der Heilige Gallus (lat. der Kelte) (* um 550 in Irland oder im Raum Vogesen-Elsass; † 16. Oktober 640, nach anderen Quellen 620 oder 646–650, in Arbon, Schweiz) war ein Wandermönch und Missionar, der vor allem im Bodenseeraum wirkte. Er gilt als Gründer des Klosters St. Gallen und ist, zusammen mit Otmar, Schutzpatron von Stadt und Bistum (Quelle: Wikipedia).
Die Legende von Gallus und dem Bären
Eine bekannte Legende über den heiligen Gallus berichtet über die folgende Nacht:
Während Hiltibod schlief, war Gallus noch wach, als plötzlich ein Bär auftauchte. Gallus ließ sich nicht einschüchtern, auch dann nicht, als der Bär sich aufrichtete. Gallus befahl dem Bären im Namen des Herrn, ein Stück Holz ins Feuer zu werfen. Der Bär gehorchte und trug das Holz zum Feuer. Anschließend gab Gallus dem Bären ein Brot, unter der Bedingung, dass er sich nie mehr blicken lasse. Hiltibod, der mitgehört hatte, sagte zu Gallus: „Jetzt weiß ich, dass der Herr mit dir ist, wenn selbst die Tiere des Waldes deinem Wort gehorchen.“ Gallus wird fast immer mit einem Bären an seiner Seite dargestellt.
So auch am Eingang unserer Pfarrkirche St. Gallus in Hofweier
 
 
Seit über 250 Jahren wacht die St.-Gallus-Kirche auf dem Hofweierer Hügel über das Dorf. Das ist eine imposante Zeit (...). Die Kirche hatte eine Vorgängerin – das gotische Kirchlein, das bis 1763 auf dem Berg stand. Ein Gemälde im Sitzungszimmer im Pfarrhaus zeigt es.
Den Anstoß zum Neubau gab der Straßburger Weihbischof am 12. April 1762. Er beschrieb, dass kaum alle Gläubigen in das kleine Kirchlein passten.
Der Neubau entstand im damals neuen Barockstil. Vor allem das Kircheninnere war dabei prunkvoll – mit Marmor, Vergoldung, reiche Stuckaturen und farbenfrohe Deckenbemalung. Die Baumeister und Handwerker, die solche Barockkirchen schufen, kamen aus dem Bregenzer Wald.
Den Auftrag erhielt der Maurer- und Werkmeister Caspar Waldinger von der Eck im Bregenzer Wald. Die Gemeinde schloss am 28. Januar 1763 mit ihm den Bauvertrag ab. Er forderte 1249 Gulden, die Gemeinde musste den Betrag aufbringen. Der Ortsherr Freiherr von E­rthal schenkte der Gemeinde die Steine der Schlossruine Binzburg. Außerdem stiftete die Gemeinde einen Jahrtag für die freiherrliche Familie. Von der Patronatsherrschaft von Roe­der, die für den Chor, die Sakristei und den Turm baupflichtig war, erhielt Waldinger unter anderem 1180 Gulden.
Am 10. Mai 1763 war Grundsteinlegung. Die Gesamtkosten betrugen 8590 Gulden, die Gemeinde musste sie in den Jahren 1762 bis 1766 aufbringen. Dazu nahm sie Kapital von 7900 Gulden auf. Die prächtigen Deckengemälde sind signiert: Pfunner 1764. Johann Pfunner stammte aus Tirol und lebte in Freiburg, wo er 1788 starb. Er war einer der bedeutendsten Kirchenmaler.
Links vom Hochaltar ist ein gotisches Sakramentshäuschen in die Wand eingemauert. Es trägt die Jahreszahl 1429. An der Nordwand des Langhauses ist eine Pieta vom Anfang des 16. Jahrhunderts angebracht. Und in einer Nische der Nordwand steht ein Taufstein von 1617. An der Nordwand des Chors wurde Pfarrrektor Joseph Schmautz, der Erbauer der Kirche, beigesetzt. Er lebte von 1735 bis 1782.
Das Äußere der Kirche präsentiert sich als ein schlichter einschiffiger Bau. An der Westfassade steht in einer Nische das Standbild des Schutzpatrons St. Gallus mit einem Bärenkopf zu seinen Füßen.
Irischer Mönch
Gallus wurde um 550 in Irland geboren, wurde Mönch und missionierte auf dem europäischen Festland. Ob er und seine Gefährten auf ihren Reisen auch durch unsere Gegend gezogen sind, steht nicht fest. Der Turm trägt das Wappen der Patronatsherrschaft der Familie Roeder von Diersburg mit der Jahreszahl 1763.
Von der Konsekration der neuen Kirche, die schon 1765 stattfand, berichten die Gemeinderechnungen. 1792 wurde das 1721 errichtete Pfarrhaus umgebaut. Die ersten Instandsetzungsarbeiten der Kirche wurden 80 Jahre nach der Einweihung notwendig. Weitere Renovierungen folgten in den Jahren 1864, 1868, 1881, 1896. 1905 gab es eine neue Orgel, 1906 erneuerte der Offenburger Kunstmaler Henselmann den Tabernakel. Der 1. Weltkrieg beraubte die Kirche nicht nur ihres schönen Geläutes, sondern auch der Orgelpfeifen und des kupfernen Blitzableiters.
Am 16. April 1945 wurde der Kirchturm durch deutschen Artilleriebeschuss stark beschädigt. 1948 bis 1949 dauerten die Renovierungsarbeiten.
1970 wurde der Pfarrsaal neu errichtet. Im selben Jahr wurde die Kirche restauriert und alte wertvolle Gemälde freigelegt. So wurde festgestellt, dass die Kirche ursprünglich ausgemalt war. Am Fronleichnamstag 1971 stand die Kirche der Gemeinde wieder zur Verfügung. Gleichzeitig wurden eine neuwertige Orgel eingeweiht und der neue Altar. 1974 erhielt der Marienaltar ein modernes Marienbild vom Maler Reinhold Dassler. 1975 wurden ein neues Hochaltarbild und das Bild für den Josefaltar geliefert. Die Bilder lösten in der Gemeinde geteiltes Echo aus. 1975 wurden die Pfarrgemeinden Hofweier und Diersburg zusammengelegt. Im März 1998 erfolgte die Weihe einer neuen Orgel. 
 
Quelle: Klaus Krüger, Offenburger Tageblatt
 
 
Hier geht es zum Glockengeläut der Pfarrkirche St. Gallus